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Martellis Untergewicht. Eine Leichtigkeit

Martellis Untergewicht. Eine Leichtigkeit

Zufriedener Schleim, Eis, das von den Bergen kam,

Fl√ľssigkeiten, die ich mir nicht aussuchen konnte, Missy,

es gibt zu wenig Handt√ľcher, die breiter sind als Blut, es gibt zu viel Blut,

das weniger deutlich in einen Körper gehört.

 

Spielst du oft an dir rum, Leondess, beim letzten Mal,

nachdem du tagelang nicht mehr dein Zimmer verlassen hast,

fragtest du mich nur, ob wenigstens  die Bilder mit meinen diesigen,

endlosen Wasseraufnahmen was geworden sind.

Ein wenig graustichig. Wie du bei so einer Frage noch lächeln kannst.

 

Machst du es häufig, Missy, stellst du zu oft eine begrenzte Anzahl

Finger an dir fest, beim letzten Mal, nachdem du wochenlang nicht

mehr dein Zimmer verlassen hast, fragtest du mich nur, ob ich mir nicht

vorstellen könnte, mit dir in einem Aquarium zu leben, das breiter wäre

als ein Handtuch, das leichter wäre noch als Unterwäsche,

die sich seit Tagen gehen lässt.

Das Wasser glatt und unger√ľhrt. Fische, die zu schwer sind.

Die sich in halber Höhe auf die Seite legen. Wir ernähren uns hier unten

von Plankton und ausgewrungenem Brot. 

Seit wir nur noch von Wasser umgeben sind, ist alles

langsamer geworden. Wir sprechen nicht mehr. Wir atmen nicht mehr.

Wir weinen nicht mehr. Wir saufen nicht mehr. Es ist immer zu hell, und

weil die Fische nie richtig schlafen, haben wir selbst von unserem trägen

Geficke Abstand genommen. Aber das Schlimmste hier unten ist die

gleichmäßige Koordinierung unserer Bewegungsabläufe.

Wenn du, wohin auch, sinnlos winken willst, dann hebst du eine Zeitlang

erst mal nur den Arm. Und das alles hat mehr mit Tanz zu tun, als uns lieb ist.

 

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