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Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd

“Das Meer und der Mensch, dieses Thema führt bei Thomas Kunst nicht zu Naturlyrik. Denn er findet „alles andere schon /Von Wasser infiziert“. Das Meer sei „unsere Bestimmung“; es ist eine Urkraft jenseits des Zivilisatorischen, die jedoch angesichts der „Geräte“, denen die Menschen sich zunehmend anvertrauten, an „Autoritätsverlust“ leide. Der Gedichtband Kunsts feiert die bedrohten anarchischen, kreativen Seiten des Lebens. Die Sprache dieser Gedichte lässt sich nicht auf einen verwertbaren Sinn reduzieren, sie schlägt Kapriolen, verweigert sich einer kausalen Logik. Kunst verwendet ironisch Elemente traditioneller Poesie und sprachliches Treibgut, er erweitert die Wort- und Satzbedeutungen ins Surreale oder Unsinnige: „Grüßen sie ihren / Dominostein, Fräulein Hildengaard“. Punkt und Komma nutzt er als rhythmisierende, Erwartungen konterkarierende Mittel der Bedeutungskonstitution oder Dekonstruktion. Die Gedichte von Thomas Kunst sind von der Qualität, die ein zweites und drittes Lesen erforderlich macht: als lustvoll verspielte, aber auch erkenntnisfördernde Einübung in den sich selbst reflektierenden Sprachskeptizismus unseres Jahrhundertendes: „deine Engel / Können einfach nicht mehr, sie bluten, sie / Stottern, sie hinken, ihre Hände in schäumender / Blässe, ihre Flügeltechnik wäre das Abwinken“

Handelsblatt, 13.06.1998

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