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Der Schaum und die Zeichnung vom Pferd

“Dem immerhin schon vierten Band lyrischer Kunst-Stücke ist offensichtlich die Ballett-Partitur einer Meeressinfonik unterlegt. “wer noch genügend Müdigkeit hat, den Schaum und die Zeichnung vom Pferd nur im Tanz auszuhalten”: geperlte Metaphorik, Wellenbewegung von Motivübergleitungen, Synkopie erotisierender Verhaltenheit. Die taktvolle Inszenierung dieser Raffinesse ereignet sich als Wortlust, die Körperzeichen so zu umfließen vermag, daß das Magische taktil wird und den Leser anfaßt. Molekulare Wahrnehmung, Bildreste kindheitsher, ozeanische Attitüde, überführt in tänzelnde Anrede, schließliches Schragen kühn auseinandergebogener Bedeutungshalte: das sedimentiert Schicht für Schicht den Tönungsleib dieser Gedichte. Viele von ihnen verführen an südliche Gestade, in lachsrosa Nächte mediterraner Hafenstädte. Wie kaum einer in der deutschsprachigen Gegenwartsdichtung perfektioniert dieser Lyriker die Kunst, prägnante thematische  Durchführung, kontrapunktische Störfiguren und fintenreiche Materialvariation in herangeatmete Ligaturen einzubinden. Dabei wird schöne Rätselhaftigkeit nicht in  verschlissene surrealistische Automatik enthemmt; choreographische Raumphantasie verhilft dem Scha(u)mhaften erst recht zur Geltung: denn ohne Meer gibt es dich nie.

Peter Geist

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