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Besorg noch fĂĽr das Segel die Chaussee

“Thomas Kunst, ein Autor des Jahrgangs 1965, vertraut, entgegen manchen Trends gegenwärtiger Lyrik, der signifikanten Metapher, die sich konsequent, ja auch hermetisch, allen Bindungen des beschreibenden, gar erklärenden Verses versagt, um nach dem genauen Ausdruck fĂĽr das Nichtausgesprochene, das sonst nicht Aussprechbare zu fahnden. Wir alle kennen das ja, wenn man zwar einen Zustand, die Situation einer Begegnung wiedergeben kann, nicht aber die einmalige Atmosphäre, die da entstand und nachwirkt, Bewegung zwischen dem realisierbaren Geschehen. Hier wagt einer dafĂĽr - soll ich sagen mit seinen Bildern, Vorstellungen, Phantasien - die Worte. Thomas Kunst vertraut und ĂĽberläßt sich seinen Intuitionen. FĂĽr sie findet er das frappierende, auch paradoxe Bild und rĂĽckt es uns als traumatischen Vorgang in Vers und Szene vor Augen: eine Erfahrung, die uns nur auf diesem Wege ĂĽbermittelt werden kann, die wir geahnt, gewusst haben - aber schlĂĽssig und seltsam formuliert finden wir sie, verwandelt,  wieder in diesen wie unter Diktat geschriebenen Sätzen. Die Abwendung von der uns nur  zu geläufigen " real existierenden Umwelt " wird in diesen Versen vollzogen und damit in ihrer Bewegungverfolgt, eben als Versuch, den Dingen eine eigene, andere Ordnung zu geben, als die der Ver-Ordnungen  und Vor-Schriften; als Versuch, eigene Spuren zu legen. Thomas Kunst, vertraut mit den Usancen surrealistischer Dichtung und sie zugleich unterlaufend, findet fĂĽr die Freuden und Ă„ngste seiner Generation hier im Deutschland dieser Tage eine Sprache von bestĂĽrzender Betroffenheit jenseits der gängigen Wendungen und Redensarten, die ihn davor bewahrt, sie als gängige MĂĽnze auszugeben. Hier hat einer noch den Mut zu einem eigenen Bild von der Welt, " als gäbe es nicht die verwundung der sprache durch eine andere...”

Gerhard Wolf “Sprachblätter Wortwechsel” Reclam, 1992

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